‚Therapie mit Vogel‘

Gesundheit in einem kranken System

Der Patient Rainer frangt: „Wer ist hier der Kranke – Arzt oder Patient? Ist das „Normale“ gesund – eine Menschheit, die die Erde zerstört? Kranken wir Menschen an einem Denken, das uns vom Leben entfremdet hat? Und was wäre Heilung?“

Es ist zwar nur Einer der spielt, und doch glaubt man zu gerne, dass zwei auf der Bühne sind.”

Peter Fehr spielt Frau Prof. Dr. Vögele (links) und den Patienten Rainer (rechts)

Die Zuschauer erleben quasi in der Rolle als Patienten einer Gruppensitzung, wie sich Frau Professor Dr. Vögele als neue Leitung der Klinik vorstellt. Sie will dabei ihren Lieblingspatienten Rainer benutzen, um sich zu profilieren. Doch Rainer – seit kurzem aus der Psychiatrie in die Freiheit entlassen – war eigentlich verabredet, um in der Intimität einer Einzelsitzung mit Frau Professor Halt zu finden. Das Publikum darf in einem Feuerwerk von Satire, Wahnsinn und Humor genießen, wie Prof. Vögeles Versuch, gut dazustehen, schief geht.

Kabarett über Therapie: Peter Fehr – Qi Gong-Lehrer, Künstler – hat vierzig Jahre Berufserfahrung in Therapie und Kunst. Es lag nahe, eine Satire über Therapie zu machen, kennt P. F. Heilkünste, Therapeuten und Patienten doch aus eigenem Erleben.

Kabarett über Politik: wir sind gewohnt, Nachrichten darüber zu hören, dass wir – oder die Existenz unserer Erde – an einem Abgrund stehen. Rainer lässt der Gedanke nicht los, dass wir „fünf mal die Erde bräuchten“, wollten alle Weltenbürger so leben wie wir Deutschen. Für seinen verzweifelten Versuch, etwas zur Rettung der Erde zu tun (‚The night of the burning SUV’s‘ ), wurde er in die Psychiatrie zu Prof. Vögele eingewiesen. Ein dankbarer Patient ist er, weil er ohne chemische Drogen-Anpassung den Heilungsprozess durchlaufen durfte und entlassen wurde. Professor Vögele liebt die Therapie-Sitzungen mit ihm, hat er doch trotz Depression viel Unterhaltungswert. Aber immer wieder wird auch sie und das medizinische System durch Rainer in Frage gestellt und Frau Professor wird herausgefordert, bis auch sie die Nerven verliert.

Revolution der Therapie? Frau Professor ist – unbeabsichtigt – in den Körper ihres Klienten geraten, und ‚muss dieses Phänomen wissenschaftlich erforschen‘, nicht ganz ohne Eigensinn. Sie macht sich mit Rainers Körper davon, menschliche Erfahrung auszukosten. Patient Rainer – im Vogelkörper – darf derweil auf der Stange meditieren.

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